Aus dem Dorfarchiv

Eines unserer Fernziele ist der Aufbau eines öffentlich zugänglichen digitalen Dorfarchivs, das heißt:
Alles, was wir als AG Dorfgeschichte sammeln und archivieren – Fotos und Dinge und Geschichten –
soll irgendwann für jeden Menzer, der Interesse hat, sichtbar sein.
für Nachforschung nach Namen, Familien, Häusern
für Vorträge
für Ausstellungen
für Veröffentlichungen und und und
Zum Schutz der Rechte werden Fotos und Schriftstücke nur auf Anfrage und bei gewerblicher
Nutzung nur mit Zustimmung des jeweiligen Spenders zum Download freigegeben.
Noch ist das alles Zukunftsmusik.
Schon jetzt werden wir aber hier immer wieder Archiv-Material in Form
von kleinen Geschichten vorstellen

Die Vielfalt des Dorfarchives

aktueller Bestand:
Fotos: ca. 700 (ein kleiner Teil als Original, ein großer Teil digitalisierte Fotos von Bürgern)
Dinge: ca 60 (Bücher, Werkzeuge, Bilder und andere „Dinge“)
Dokumente: ca. 30 (Kopien aus dem Kirchen-, Landes- und Zeitungsarchiv; private Dokumente)
Um all das ins Archiv zu überführen und mit Stichworten zu versehen, damit sie auffindbar sind,
wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Für Hilfe bei dieser „Schreibarbeit“ sind wir dankbar.
Noch ist das alles Zukunftsmusik.
Doch schon jetzt gilt: Wenn Sie was suchen, sprechen Sie uns an!

Auf dieser Seite werden in zwangloser Folge: Gegenstände, Ansichtskarten, FotosGegenüberstellungen „Einst und Jetzt“, Schreiben und Briefe von dorfgeschichtlicher Bedeutung vorgestellt.

Zu den Fotos gibt es einen Text mit Hinweise und Erklärungen. Manchmal gibt es zu den Exponaten auch eine Geschichte, wie bei der Sense vom Heuboden, unsere erste Vorstellung, dann ist es möglich über einen Link direkt zur Geschichte zu springen.

Hier geht es zu den Artikeln in denen Exponate des Dorfarchives vorgestellt werden.

  • Eine Menzer Sense

Schenkung von Reimund Alheit

Ein Sensenblatt, gefunden auf dem Heuboden in der Lindenstraße 11, bereichert unser Archiv.

Ein Stempel verrät uns etwas über die Herkunft dieses Werkzeuges, das immer mehr nur noch vom Hören-Sagen her kennen.

Mit Hilfe unseres Archivs ist ein kleine Geschichte entstanden.      —> mehr   erfahren

  • Ein Menzer Mangelbrett

Schenkung von A.Wasilewski


Eine Schenkung von Arnold Wasilewski bereicherte unser Dorfarchiv. Dieser Gegenstand befand sich im Haushalt seines Großvaters Otto Reetz. Leider war der Verwendungszweck nicht mehr bekannt. Nach genauen beschauen, Diskussionen, Befragungen und der Recherche im Internet kamen wir zu der Feststellung das es sich um ein Mangelbrett handelt. Hierbei war es die Internet-Recherche die uns die wichtigsten Informationen lieferte. Auch das die Unterseite nicht mehr plan ist und gut zu erkennen ist, dass das Brett auf einem runden Gegenstand (dem Mangelholz)  hin- und herbewegt wurde, deutete auf die Verwendung als Mangelbrett hin.
Ein Artikel im Internet zu diesem Thema:     ——>mehr erfahren

Hier einige Angaben zum Mangelbrett
Maßangaben:
Gesamtlänge (einschließlich des Griffes): 71 cm; Grifflänge: 15 cm; Brettbreite: 10 cm; Brettdicke: 2 cm; Erhöhung auf der Oberseite (um hier mit der zweiten Hand Druck auszuüben): 4 cm über die gesamte Breite; Länge der vertieften Flächen, von der Griffeinfassung: 22 cm, vom Ende her: 24 cm.
Material:
Eichenholz
Herstellung und Gestaltung:
Sehr rustikales Design, keine Verzierungen, eben funktional. Ist sicherlich im Haushalt selbst hergestellt worden. Abschließend sei vermerkt, wer neue Erkenntnisse hat, oder jemand kennt, der zu diesem Thema etwas weiß, kann sich gerne beim Dorfverein Menz oder direkt bei der AG Dorfgeschichte des Dorfvereins melden. Ansprechpartner Reta Flüsch 033082/40772 oder Joachim Zillmann 033082/404870.
Oder mit einer E-Mail: dorfgeschichte@dorfverein-menz.de

  • Der Friedensplatz, mit Blick auf die Lindenstraße – Einst und Jetzt

Ein Bild aus dem Dorfarchiv „Friedensplatz, kurz nach der Pflanzung der Linden, um 1900“, regte bei unserer 2.Menzer Spurensuche, am 03.02.2018 in der Heimatschule, zu besonders lebhafter Diskussion an. Wer ist diese Frau mit dem Sonnenschirm? Warum liegen die Balken auf dem Friedensplatz? Der Weg, ja der Weg existiert er noch heute? Seht mal wie klein die Linden noch sind. Und die Hauptfrage, die Häuser im Hintergrund. Sind es Häuser der Lindenstraße oder gehören sie doch zur Bebauung des Friedensplatzes? Die Meinungen gingen  auseinander und es konnte kein abschließender Konsens gefunden werden. Hier das Bild der Diskussion:

Friedensplatz, kurz nach der Pflanzung der Linden, um 1900

Ein Vororttermin wurde notwendig. Mit dem ausgedruckten Bild und einem Fotoapparat begab ich mich auf den winterlichen Friedensplatz. Schauen wo ungefähr der Standpunkt des historischen Fotografen gewesen sein könnte. Ein Standort-Vergleich zwischen den frisch gepflanzten und den heutigen Linden half dabei. Schon der augenscheinliche Vergleich des ausgedruckten Bildes mit den heutigen Verhältnisse bestärkte mich in meiner Meinung, dass es sich  um die Häuser in der Lindenstraße handelt. Endgültige Sicherheit brachte der Vergleich zwischen dem historischen Foto und dem von mir gemachten Foto auf dem Computer, als ich beide Fotos über einander legte. Es sind die Häuser Lindenstraße 12, 13, 14 zu sehen, von rechts  nach links .Hier das Foto vom 05,02,2018.

Friedensplatz, mit Blick auf die Lindenstraße.          Foto:Joachim Zillmann
  • Ein Menzer Morgenstein

Ein neues Exponat bereichert das Menzer Dorfarchiv. Ein Morgenstein, eine Schenkung von Reta Flütsch und Reimund Alheit. Gefunden wurde er bei Aufräumarbeiten auf dem Boden des Stallgebäudes in der Lindenstraße 11 in Menz.

Die Verzierungen und Fußabdrücke von Kindern, die vor dem Brennvorgang vollzogen wurden, faszinierten uns sehr. Die Darstellung der Sonne in Verbindung mit den Kinderfüßen ließen einige Phantasien entstehen. Wofür stand  dieser Dachstein? Die Bezeichnung Morgenstein kannten wir noch nicht. Hatte jedes Dach so einen Stein, sollte er dem Bauherrn Glück bringen, verbunden mit Kindersegen und Sonnenschein, zeigte er einen bestimmten Hersteller oder eine bestimmte Charge? Fragen über Fragen. Aber auch ohne eine Antwort zu finden waren wir von der Schlichtheit und der phantasievollen Ausführung beeindruckt. Zum Menzer Waldfest 2018, war er schon auf dem Tisch der AG Dorfgeschichte des Dorfverein Menz präsent. Viele Besucher bestaunten unser Exponat und immer wieder kam es zu Mutmaßungen und Erklärungsversuchen.
Doch wie so oft brachte uns ein Zufall auf die richtige Spur.
Am 16. September 2018 veranstaltete der Dorfverein Menz eine Lesung mit der Schriftstellerin Regina Scheer. Eingebettet in der idyllischen Umgebung der Menzer Streuobstwiese las sie aus ihrem Buch „Machandel“. Eine wunderbare Veranstaltung, alles passte, die Autorin, das Buch, die Umgebung und auch wichtig, das Wetter. Einige kannten das Buch und bei denen die es noch nicht kannten wurde die Neugierde entfacht. Ich war bestimmt nicht der Einzige, der auf schnellsten Wege in eine Buchhandlung eilte. Ja, und dann wurde ich bei der Lektüre des Romans auf den Morgenstein gestoßen. Hier die wichtige Stelle auf Seite 78 im  Roman „Machandel“ von Regina Scheer.
Einer der Fußbodensteine war sogar ein Morgenstein. Früher kam das Baumaterial aus den Ziegeleien, die es hier überall gab, der erste Stein vom ersten Brand nach der Winterpause, der Morgenstein, bekam eine Verzierung. Dieser hier zeigte eine Sonne und den Abdruck einer Kinderhand. Unter dem gummiartigen Schmutz war er nicht zu erkennen gewesen. Eigentlich fand man solche Morgensteine nur in den Giebeln sehr alter Häuser, wahrscheinlich hatte man diesen vor hundertfünfzig Jahren, als der Schafstall zum Wohnhaus umgebaut wurde, aus einem Abrisshaus geholt. Ich schabte, bürstete und wusch den Stein sauber, rief die Kinder. Gemeinsam betrachteten wir die Sonne und die Hand, stellten uns das Kind  vor, zu dem sie einmal gehörte hatte.  Die Mädchen legen ihre eigenen rechten Hände auf den Abdruck und die der siebenjährigen Julia passte.
So fand ich bei der Lektüre des Romans die Erklärung für unseren reich verzierten Dachstein. Auch wenn es sich bei dem im Roman beschriebenen Morgenstein um einen Fußbodenstein handelt und den Abdruck einer Kinderhand zeigt, ist es eindeutig, dass wir im Menzer Dorfarchiv einen Morgenstein haben.

Joachim Zillmann